Fernweh
»Es treibt dich fort von Ort zu Ort,
Du weißt nicht mal warum;
Im Winde klingt ein sanftes Wort,
Schaust dich verwundert um.«
So veranschaulicht Heinrich Heine in der ersten Strophe seines Gedichtes »In der Fremde« das Fernweh, die Sehnsucht danach, immer wieder »von Ort zu Ort« zu reisen und seine Heimat hinter sich zu lassen. In der Musik findet man dazu viele Beispiele und auch einige Antworten: Eine Motivation, auszuwandern, hatte Antonín Dvořàk: Ihm wurde 1892 eine Professur am National Conservatory of Music in New York angeboten. Der Schritt in die Ferne bedeutete für ihn den Erfolg zu suchen, sich behaupten und messen zu wollen, sich jedoch auch mit Musikerkollegen auszutauschen und weiterzuentwickeln. Drei Jahre wirkte Dvořàk in New York und vereinte während dieses Zeitraums in vielen Kompositionen die Musiktradition seiner Heimat Böhmen mit denen der »neuen Welt«, nicht zuletzt in seinem Konzert für Violoncello und Orchester op. 104. Die Sehnsucht nach der Ferne jedoch kommt noch in vielen weiteren Facetten zum Vorschein. Spätestens zur Jahrtausendwende, im Zeitalter des Imperialismus, spätesten dann nahm eine neue Welt Einzug in das althergebrachte Europa und inspirierte Künstler sowohl in der Musik als auch in der Kunst. Das Fernweh, getarnt als Neugier auf fremde Kulturen, wuchs und spiegelte sich in unvergleichlichen Werken wider. Ganz gleich ob traditionelle japanische Musik mit ihrer Pentatonik, die unter anderem in Kompositionen Claude Debussys Verwendung fand, oder die »Sinnlichkeit des Orients« mit der Märchensammlung von »1001 Nacht«, die ebenfalls in zahlreichen Musik- und Bühnenwerken thematisiert wurde – stellvertretend treten Künstler in den Dialog von Vertrautem und Neuem, oder eben Heimat und Ferne. Nicht selten kreieren sie dabei wiederum neue, in gewisser Weise einzigartige Welten.

