Komponistenporträt: Kaija Saariaho

Noch bevor sich die heute 58-jährige Finnin dazu entschied, sich ganz der Musik zu verschreiben, begann Saariaho nach dem Abitur zunächst ein Studium der Malerei und der Bildenden Künste. Mit der Immatrikulation an der Sibelius-Akademie in Helsinki, der größten Musikhochschule Skandinaviens (und der einzigen Finnlands), wechselte sie die Seiten. Die Musik wurde fortan Mittelpunkt ihres Interesses, besser gesagt: das Komponieren. Als Schülerin des einflussreichen finnischen Kompositionslehrers Paavo Heininen sagte sie alsbald dem konventionellen Komponieren ab und folgte seinem Rat, sich der »Abstraktion reiner Instrumentalmusik« zu widmen. Für Saariahos Kompositionsweise bedeutete das, sich zunächst von der Vokalmusik und ihrer Textgebundenheit zu trennen. Reine Musikklänge zu schaffen, diese von Text und Sprache zu befreien, stellte in ihrem Frühwerk den Kern ihres Schaffens dar. Weitere Studienaufenthalte bei den Darmstädter Ferienkursen und in Freiburg entwickelte Kaija Saariaho ihre Vorliebe für elektronische Musik weiter. Am berühmten Institute de Recherche et Coordination Acoustic / Musique von Pierre Boulez in Paris studierte sie ab 1982 computergestützte Komposition, Tonbandarbeit und Live-Elektronik – legte also diejenigen Grundlagen, die ihr Schaffen so maßgeblich bestimmten. Trotz der großen Affinität zu technischen und wissenschaftlichen Methoden ist Saariaho gleichwohl stets darauf bedacht, ein Gleichgewicht zu schaffen zwischen Rationalität und Emotionalität, zwischen Natur und Technik – ja man kann sagen nach dem Dualismus unserer Zeit überhaupt: »Ich suche stets nach neuartigen, gegensätzlichen Begriffspaaren, die dabei helfen, das Denken und die Zeit, folglich Musik, aufzugliedern.« Beim Rheingau Musik Festival ist Kaija Saariaho u. a. mit ihrem Werk »Laterna Magica« zu Gast, welches erst kürzlich, im August 2009, von den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Sir Simon Rattle uraufgeführt wurde. Die von der Stiftung Berliner Philharmoniker und des Lucerne Festivals in Auftrag gegebene Komposition ist reichhaltig versetzt mit klanglichen Metamorphosen, die das Werk Saariahos ausmachen.

